Power Napping ist eine Wissenschaft. Die richtige Dauer, der richtige Zeitpunkt und der richtige Weckpunkt entscheiden ob man erfrischt aufwacht oder erschöpfter als vorher.
Warum der Mittagsschlaf biologisch vorgesehen ist
Der natürliche biologische Rhythmus (zirkadianer Rhythmus) enthält ein eingebautes Energietief am frühen Nachmittag — unabhängig von der Mitternacht-Schlafmenge. Dieser "Post-Lunch-Dip" ist keine Faulheit, sondern eine phylogenetisch alte Schläfrigkeit-Welle die in Studien weltweit bei allen untersuchten Kulturen nachweisbar ist. In Kulturen mit Siesta-Tradition (mediterran, lateinamerikanisch) wird sie genutzt. In nordeuropäischen/amerikanischen Kulturen wird sie unterdrückt.
Dauer ist alles: 10–20 Minuten
Der optimale Power Nap dauert 10–20 Minuten — nicht länger. In dieser Zeit erreicht man NREM 1 und NREM 2 (Leichtschlaf), der erholsam ist und schnell verlassen werden kann. Nach ca. 25 Minuten beginnt der Tiefschlaf (NREM 3) — wer hier geweckt wird, erlebt "Sleep Inertia": das Gefühl, schwerer und benommener als vorher zu sein. Der 90-Minuten-Nap (ein vollständiger Zyklus) ist die Alternative für Schichtarbeiter oder extreme Schlafschuld.
Der Koffein-Nap: ein Geheimtrick
Koffein braucht 20–30 Minuten um ins Gehirn zu gelangen. Wer direkt vor dem Nap einen Espresso trinkt und dann 20 Minuten schläft, wacht auf wenn das Koffein einsetzt — und hat sowohl die Schlaf-Erholung als auch den Koffein-Effekt gleichzeitig. Studien zeigen, dass der "Nap-a-latte" (Koffein + Nap) die beste kognitive Performance der nächsten 2–3 Stunden liefert — besser als Nap allein oder Koffein allein.
Zeitpunkt: früh am Nachmittag
Optimaler Zeitpunkt: 13–15 Uhr. Früher (vor 12 Uhr) ist der Schlafdruck noch nicht hoch genug, später (nach 15 Uhr) stört der Nap die Nachtschlaf-Qualität. Je näher am Abend, desto mehr Schlafdruck wird "verbraucht" der für die Nacht gebraucht wird. Wer nach 15 Uhr einen Nap braucht, hat meist eine Grundlage von Schlafmangel — Ursache angehen.