Schlechter Schlaf im Alter ist weit verbreitet — aber keine unvermeidliche Folge des Alterns. Viele Schlafprobleme bei Senioren haben behandelbare Ursachen: Lichtmangel, Bewegungsmangel, Medikamente oder Erkrankungen. Wer die richtigen Stellschrauben kennt, kann auch mit 70 gut schlafen.

Was sich mit dem Alter verändert

Der Schlaf verändert sich biologisch: Weniger Tiefschlaf (NREM 3) ab dem 30. Lebensjahr, mit deutlichem Rückgang ab 60. Früherer Schlafzeitpunkt (Schlafdrang früher am Abend, früheres Aufwachen — Vorverlagerung des Schlaffensters). Häufigere nächtliche Aufwachphasen. Mehr Tagmüdigkeit. Diese Veränderungen sind biologisch normal — werden aber oft als Schlafstörung wahrgenommen.

Was nicht normal ist

Nicht zum normalen Alterungsprozess gehören: Tägliche Einschlafzeit über 30 Minuten, mehr als 3 Aufwachphasen pro Nacht, Einschlafen beim Fernsehen oder Lesen (Zeichen für Schlafmangel), extreme Tagesmüdigkeit, Schnarchen mit Atemaussetzern (Zeichen für Schlafapnoe — häufig bei Senioren, oft undiagnostiziert). Diese Symptome sollten ärztlich abgeklärt werden.

Die wichtigsten Maßnahmen

Tageslicht: Viele Senioren bekommen zu wenig Tageslicht — besonders in Pflegeeinrichtungen. Täglich 30–60 Minuten helles Tageslicht stärken den zirkadianen Rhythmus messbar. Körperliche Aktivität: Regelmäßiger Sport (auch moderate Aktivität) verbessert die Tiefschlafqualität. Soziale Aktivität: Soziale Isolation verschlechtert den Schlaf. Koffein früh absetzen (bereits am frühen Nachmittag). Alkohol meiden — bei Senioren verändert sich der Alkoholabbau, Störeffekte verstärken sich.

Medikamente und Schlaf

Viele Senioren nehmen Medikamente, die den Schlaf stören: Betablocker (unterdrücken Melatonin), Diuretika (Nachtharndrang), Antidepressiva (können REM-Schlaf stören), Kortison (stimulierend). Mit dem Arzt sprechen: Können Einnahmezeiten optimiert werden? Gibt es Alternativen? Schlafmittel (Benzodiazepine, Z-Substanzen) sind bei Senioren besonders problematisch: erhöhtes Sturzrisiko, Abhängigkeit, kognitive Beeinträchtigung.

Häufige Fragen

Der Schlafbedarf sinkt leicht (7–8 Stunden statt 7–9), aber nicht dramatisch. Was sich ändert, ist die Schlafarchitektur: weniger Tiefschlaf, früherer Schlafzeitpunkt, mehr Aufwachphasen.
Ja — klassische Schlafmittel (Benzodiazepine, Z-Substanzen wie Zopiclon) erhöhen bei Senioren das Sturzrisiko erheblich und können kognitive Probleme verstärken. Melatonin ist deutlich sicherer bei kurzfristiger Anwendung.