PSG ist diagnostisch, nicht therapeutisch. Sie ermöglicht objektive Schlafstufenklassifikation (AASM-Kriterien), Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI), Arousal-Index, Beinbewegungsindex (PLMS/RLS), REM-Latenz und -Anteil, Sauerstoff-Desaturierung. Diagnosen: Schlafapnoe, RLS/PLMS, Narkolepsie, REM-Verhaltensstörung, Parasomnie.
Überweisung: Hausarzt oder HNO → Somnologie-Ambulanz → Schlaflabor. Wartezeit in Deutschland: 3–12 Monate je nach Region. Ambulantes Gerät (Polygraphie, Level 3): Vorselektion, schnellere Verfügbarkeit. PSG Level 1 (vollständig im Schlaflabor) für komplexe Fälle.
Was bei einer Polysomnographie gemessen wird
Die Polysomnographie ist ein Multiparameter-Recording während des Schlafs — nicht nur Hirnwellen, sondern ein vollständiges physiologisches Profil:EEG (Elektroenzephalogramm): 6–10 Elektroden auf der Kopfhaut messen Hirnwellen. Daraus werden Schlafstadien klassifiziert: Wach, N1 (leichter Schlaf), N2 (Schlafspindeln, K-Komplexe), N3 (Tiefschlaf, Delta-Wellen), REM (schnelle Augenbewegungen, Traumschlaf)EOG (Elektrookulogramm): Elektroden nahe den Augen erfassen Augenbewegungen → REM-Identifikation, Schlafonset-ErkennungEMG (Elektromyogramm): Elektroden am Kinn (Muskeltonus-Abfall im REM) und an den Beinen (PLMS-Detektion). Wichtig für REM-Verhaltensstörung und BruxismusAtemfluss und Atemanstrengung: Nasenkanüle/Thermistor + thorakale/abdominale Bänder → Apnoen (vollständiger Stopp) und Hypopnoen (>30 % Reduktion) detektierenSpO2 (Pulsoximetrie): Sauerstoffsättigung im Blut. Desaturierungen unter 90 % bei SchlafapnoeEKG: Herzrhythmusstörungen im Schlaf, Bradykardien bei Apnoe-EreignissenAuswertung: Ein Somnologe klassifiziert jede 30-Sekunden-Epoch manuell nach AASM-Kriterien. Vollständige Analyse dauert 2–4 Stunden pro Nacht.
Ablauf einer Schlaflabornacht: was dich erwartet
Viele Menschen zögern das Schlaflabor hinaus — weil sie sich fragen, ob sie dort überhaupt schlafen können. Die Realität:Ankunft: Typisch 20–21 Uhr. Zimmer wie ein Hotelzimmer, Kamera (Bewegungsüberwachung), keine beunruhigende Krankenhausatmosphäre in guten SchlaflaborsVerkabelung (60–90 Min): Elektroden werden aufgeklebt/aufgesetzt — EEG, EOG, EMG, EKG, Atemgurte, Beinelektroden, Oxymeter. Nicht schmerzhaft. Kabel zu einer zentralen „Schatzkiste" zusammengeführt → wenig Einschränkung der BewegungLichtaus 22–23 Uhr: Normaler Schlaf. Techniker überwacht von Kontrollraum. Bei Problemen: GegensprechanlageAufwecken 6–7 Uhr. Elektroden werden entfernt (Haare klebrig durch Leitgel — Shampoo mitbringen). Kurze Nachbesprechung. Auswertung dauert 1–4 WochenFirst-Night-Effect: In einem fremden Bett schläft man schlechter — mehr Aufwachen, weniger REM. Gilt auch im Schlaflabor. Schwerer Fall: 2 Nächte PSG. Die zweite Nacht repräsentiert oft den „echten" Schlaf besserTipp: Gewohnte Bettroutine soweit möglich einhalten. Keine Veränderungen beim Schlaf-Timing in der Woche vor dem Termin.
Diagnosen aus dem Schlaflabor: die häufigsten Befunde
Was das Schlaflabor diagnostizieren kann, was kein Wearable oder Selbstbeobachtung erkennt:Schlafapnoe (OSA/CSA): AHI (Apnoe-Hypopnoe-Index) >5 Ereignisse/h = Diagnose. Mild: 5–15, Moderat: 15–30, Schwer: >30. CPAP-Titration oft in derselben Nacht oder FolgenachtRLS/PLMS: Periodic Limb Movement Syndrome — periodische Beinbewegungen alle 20–40 Sek. PLMS-Index >15/h = klinisch relevant. Häufig mit RLS kombiniert, oft undiagnostiziertNarkolepsie: MSLT (Multiple Sleep Latency Test) am Tag nach PSG. Mittlere Einschlaflatenz
Wann ins Schlaflabor? Indikationen und Alternativen
Nicht jede Schlafstörung braucht ein Schlaflabor — hier die Indikationsliste:Klare Indikationen: Lauteres Schnarchen + Atemaussetzer (Partner-Beobachtung), ausgeprägte Tagesmüdigkeit trotz ausreichend Schlaf, morgendliche Kopfschmerzen, Verdacht auf Narkolepsie (plötzliche Schläfrigkeit, Kataplexie), Schlafwandeln/Ausagieren von Träumen (RBD-Verdacht), PLMS-Verdacht (Wadenkrämpfe nachts, unruhige Beine)Keine PSG nötig: Einfache Einschlafprobleme ohne Tagesschläfrigkeit, Stressbedingte Schlafprobleme, Jet-Lag, Schichtarbeit. Hier ist CBT-I first-lineAmbulante Polygraphie (Level 3): Tragbares Gerät für Zuhause (nur Atemfluss, SpO2, Herzfrequenz, Schnarchen, Lage). Kein EEG → keine Schlafstufenklassifikation. Ausreichend für OSA-Diagnose und -Ausschluss. Schneller verfügbar (Hausarzt kann veranlassen)Wearables: Consumer-Geräte (Apple Watch, Oura Ring, Garmin) erreichen ~70–80 % Übereinstimmung mit PSG für Schlafstadien. Nicht diagnostisch, aber gut für Trend-MonitoringBei Verdacht auf Schlafapnoe oder Narkolepsie: nicht warten. Unbehandelte schwere Schlafapnoe (AHI >30) verdoppelt das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko.
Wichtig: Bei anhaltenden Schlafproblemen (über 4 Wochen) sollte immer ein Arzt aufgesucht werden. Viele Schlafstörungen sind sehr gut behandelbar.
Häufige Fragen
Nächster Schritt
Finde heraus, wie viel Schlaf du wirklich brauchst und wann du schlafen gehen solltest.