Es war mal wieder kurz nach zwei Uhr morgens, ich lag seit über einer Stunde wach und starrte an die Decke. Irgendwann griff ich zum Handy – eigentlich keine gute Idee, das weiß ich – und scrollte durch YouTube. Dann stieß ich auf dieses Video von Liebscher & Bracht: „Keine Schlaf-Probleme mehr: 3 Übungen, die dir keiner zeigt." Was mich sofort überraschte: Kein Entspannungs-Gedudel, keine Atemübung Nummer tausend. Stattdessen wurde von Muskeln, Faszien und körperlichen Ursachen für Schlafprobleme gesprochen. Das hatte ich so noch nie gehört. Ich blieb dran.

Warum dein Körper dich am Schlafen hindert – der eigentliche Mechanismus

Liebscher & Bracht gehen einen anderen Weg als die meisten Schlaf-Ratgeber. Sie erklären, dass Schlafprobleme häufig keine rein psychologische Ursache haben, sondern direkt mit Verspannungen und Fehlspannungen in der Muskulatur zusammenhängen. Der Körper sendet dabei dauerhaft Schmerz- oder Alarmsignale ans Gehirn – auch nachts, auch wenn man es gar nicht bewusst wahrnimmt.

  • Überaktive Muskeln im Nacken, an der Hüfte und im Rücken halten das Nervensystem in einem unterschwelligen Spannungszustand
  • Dieses „stille Alarmsignal" verhindert, dass der Körper wirklich in die Tiefenentspannung abrutscht, die für erholsamen Schlaf nötig ist
  • Klassische Schlaftipps wie Abendroutinen oder Blaulichtfilter lösen dieses körperliche Problem nicht an der Wurzel

Das Nervensystem als eigentlicher Störfaktor

Was mich an dieser Erklärung so getroffen hat: Ich kenne das Gefühl, „eigentlich müde" zu sein, aber trotzdem nicht schlafen zu können. Liebscher & Bracht beschreiben das als einen Zustand, in dem das Nervensystem schlicht nicht herunterreguliert. Wenn bestimmte Muskeln – vor allem jene, die wir durch langes Sitzen chronisch verkürzen – dauerhaft unter Zug stehen, bleibt das sympathische Nervensystem aktiv. Der Körper bleibt in einer Art Bereitschaft. Nicht Stress im klassischen Sinne, sondern mechanischer Dauerstress durch falsche Körperspannungen. Das klingt simpel, aber für mich war es ein echter Aha-Moment.

Die drei Übungen – und wie sie konkret funktionieren

Im Video zeigt Roland Liebscher-Bracht drei gezielte Übungen, die darauf abzielen, genau diese überaktiven Muskelpartien zu entspannen. Es geht nicht um Stretching im herkömmlichen Sinne, sondern um sogenannte Engpassdehnungen: Positionen, die gezielt Druck auf Faszien und Muskelansätze ausüben, um die Spannung zu lösen. Die Übungen kann man auf einer Matte im Schlafzimmer machen – direkt bevor man ins Bett geht oder sogar mitten in der Nacht.

So sehen die Übungen aus – mein erster Versuch

Ich habe sie in dieser Nacht tatsächlich direkt ausprobiert, Handy auf dem Boden neben mir, Video pausiert. Es war ungewohnt, weil man in einigen Positionen wirklich in den Dehnungsschmerz hineingehen soll – nicht schmerzhaft im verletzenden Sinne, aber intensiv. Das Ziel ist es, diesen Punkt zu halten, bis der Schmerz nachlässt. Und er lässt nach. Das habe ich selbst gespürt.

  • Übung 1 fokussiert den Hüftbeuger – eine der am häufigsten verkürzten Muskelgruppen bei Menschen, die viel sitzen
  • Übung 2 zielt auf die Brustwirbelsäule und den Nacken – klassische Spannungsregion bei Schreibtischtätern wie mir
  • Übung 3 adressiert die hintere Oberschenkelmuskulatur und den unteren Rücken, die über den Beckenboden das gesamte Körpersystem beeinflussen

Warum das funktioniert – und was die Wissenschaft dazu sagt

Faszienforschung ist ein verhältnismäßig junges Feld, aber die Grundprinzipien hinter dem Ansatz von Liebscher & Bracht sind gut belegt. Faszien sind dicht mit Schmerzrezeptoren durchzogen – mehr als die Muskeln selbst. Wenn Faszien durch chronische Fehlhaltung verkleben oder unter Dauerzug stehen, senden sie kontinuierlich Signale ans Gehirn. Studien zur Schlafqualität zeigen außerdem, dass eine erhöhte Muskelgrundspannung direkt mit reduzierter Tiefschlafzeit korreliert.

MethodeWirkungErgebnis
SchlaftablettenUnterdrückt Wachsignale chemischKurzfristige Wirkung, keine Ursachenbehebung
Atemübungen / MeditationBeruhigt das Nervensystem über die PsycheGut bei mentalem Stress, nicht bei körperlicher Spannung
Engpassdehnungen (L&B)Löst mechanische Muskelspannung direktNervensystem kann abschalten, Tiefschlaf möglich
„Dein Körper kann nicht schlafen, weil er denkt, er muss sich noch schützen. Diese Übungen signalisieren ihm: Alles ist gut. Du kannst loslassen."

Was bleibt

Ich weiß nach einer Nacht natürlich noch nicht, ob das mein Schlafproblem dauerhaft löst. Aber ich habe nach den Übungen tatsächlich schneller geschlafen als die Nächte zuvor. Was ich mitnehme, ist ein neues Verständnis meines eigenen Körpers – und vier konkrete Punkte, die ich jetzt anders angehe:

  1. Meine Schlafprobleme haben möglicherweise eine körperliche, keine rein psychologische Ursache – das ändert, wonach ich suche
  2. Die Übungen kosten keine zehn Minuten und brauchen keine Hilfsmittel – die Hürde ist wirklich niedrig
  3. Den Hüftbeuger hatte ich komplett unterschätzt: Diese eine Muskelgruppe beeinflusst offenbar das gesamte Nervensystem stärker als ich dachte
  4. Ich werde die Übungen zwei Wochen konsequent jeden Abend ausprobieren und hier berichten, ob sich meine Einschlafzeit messbar verändert
FG
Felix

Nach seinem Burnout 2018 und monatelangen Schlafproblemen widmete sich Felix intensiv der Schlafforschung. Seit 2021 schreibt er auf SchlafenTipps.de.

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