Es war mal wieder 1:30 Uhr nachts. Ich lag da, starrte an die Decke, und mein Kopf ratterte wie eine Waschmaschine im Schleudergang. Gedanken über morgen, übermorgen, über Dinge die vor drei Jahren passiert sind – das volle Programm. Ich hatte meinen ADHS-Diagnose erst kürzlich bekommen und war immer noch dabei, die Puzzleteile zusammenzusetzen. Dann bin ich auf dieses Video gestoßen und dachte: okay, fünf Minuten – und irgendwas daran hat mich sofort gepackt. Es fühlte sich zum ersten Mal an, als würde jemand wirklich verstehen, was in meinem Kopf nachts los ist.

Warum ADHS und Schlaf so ein kompliziertes Verhältnis haben

Das Video erklärt von Anfang an sehr klar, warum Menschen mit ADHS so häufig Einschlafprobleme haben – und das hat mich ehrlich gesagt erleichtert, weil es endlich einen Namen für das hatte, was ich nächtelang erlebt habe. Es liegt nicht an schlechter Disziplin oder daran, dass man einfach "früher ins Bett gehen müsste". Die Ursachen sind neurologisch und tief verankert.

  • Verzögerter Schlaf-Wach-Rhythmus: Viele Menschen mit ADHS haben eine biologisch verschobene innere Uhr – der Körper produziert Melatonin schlicht später am Abend als bei neurotypischen Menschen.
  • Überaktives Gehirn zur falschen Zeit: Das dopaminarme ADHS-Gehirn sucht auch nachts noch nach Stimulation, weil Reize tagsüber kaum ausreichten.
  • Anxiety-Loop beim Einschlafen: Der Moment der Stille wird zur Einladung für Racing Thoughts – also für das unkontrollierte Gedankenrasen, das viele von uns kennen.

Das Dopamin-Problem am Abend

Was mich besonders überrascht hat: Das Video geht darauf ein, dass das Dopaminsystem bei ADHS nicht einfach "aus" geht, wenn die Uhr Schlafenszeit anzeigt. Im Gegenteil – weil der Dopaminspiegel tagsüber chronisch zu niedrig war, sucht das Gehirn abends aktiv nach Ausgleich. Deswegen ist das Scrollen durch Social Media, das Weiterschauen von Serien oder das Beginnen neuer Projekte um Mitternacht kein Versagen des Willens. Es ist eine neurobiologische Reaktion. Ich habe beim Zuhören zum ersten Mal das Gefühl gehabt: Das bin nicht ich, das ist mein Gehirn – und das ist ein Unterschied, der wirklich etwas verändert.

Die konkreten Tipps aus dem Video – und was ich davon sofort ausprobiert habe

Das Video bleibt nicht bei der Theorie stehen, was ich sehr schätze. Es gibt klare, praktische Empfehlungen, die speziell auf die ADHS-Situation zugeschnitten sind – keine generischen "kein Koffein nach 15 Uhr"-Ratschläge, sondern Dinge, die das überaktive Gehirn wirklich ansprechen.

Meine persönliche Test-Reihenfolge der Tipps

Ich habe mir gleich in der Nacht Notizen gemacht – was natürlich auch irgendwie typisch ADHS ist – und dann beschlossen, die Sachen systematisch auszuprobieren. Hier was mich am meisten überzeugt hat:

  • Feste Abendroutine als "Abschaltrampe": Nicht ein einzelnes Ritual, sondern eine ganze Kette von kleinen Handlungen, die dem Gehirn signalisieren: jetzt geht's runter. Licht dimmen, Handy weglegen, gleiche Reihenfolge jeden Abend.
  • Body Doubling oder Hintergrundgeräusche: Das Video empfiehlt ruhige, gleichmäßige Hintergrundgeräusche – kein Podcast mit Inhalt, sondern weißes Rauschen oder Naturgeräusche. Mein Gehirn braucht scheinbar etwas, womit es sich beschäftigen kann, ohne dabei wach zu bleiben.
  • Gedanken "parken" statt unterdrücken: Ein kleines Notizbuch neben dem Bett. Gedanke kommt? Kurz aufschreiben, dann loslassen. Das klingt simpel, hat bei mir aber wirklich funktioniert – das Gehirn braucht die Gewissheit, dass es nichts vergisst.

Warum diese Ansätze neurologisch Sinn ergeben

Was mich an diesem Video so überzeugt hat, ist dass es nicht nur sagt "mach das so", sondern auch erklärt warum. Menschen mit ADHS haben ein Defizit in der Hemmung von Reizen und Gedanken – das ist keine Schwäche, das ist Neurologie. Studien zeigen, dass bis zu 70% der Erwachsenen mit ADHS klinisch relevante Schlafstörungen haben. Das heißt: Das bin nicht nur ich. Das ist eine Mehrheit.

MethodeWirkungErgebnis
Schlafhygiene (klassisch)Reguliert äußere FaktorenHilft, reicht bei ADHS aber oft nicht
Melatonin zur richtigen ZeitVerschiebt innere Uhr zurückKann den Einschlafzeitpunkt vorziehen
Abendroutine + Gedanken-ParkingGibt dem Gehirn Struktur und SicherheitReduziert Racing Thoughts spürbar
„Das Problem ist nicht, dass du nicht schlafen willst – dein Gehirn weiß einfach noch nicht, dass der Tag vorbei ist. Du musst es das erst beibringen."

Was bleibt

Ich bin kein anderer Mensch geworden nach diesem Video. Aber ich verstehe mich besser – und das ist ehrlich gesagt der erste Schritt, den ich gebraucht habe. Ich probiere gerade die Abendroutine konsequent aus und merke schon nach einer Woche, dass es etwas leichter wird. Nicht perfekt, aber besser. Das nehme ich.

  1. ADHS-Schlafprobleme haben neurologische Ursachen – es ist kein Versagen, es ist Biologie.
  2. Das Gehirn braucht abends aktive Signale, dass der Tag endet – Routine ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit.
  3. Gedanken unterdrücken funktioniert nicht – sie parken schon.
  4. Hintergrundgeräusche können dem ADHS-Gehirn genau die richtige Menge Stimulation geben, um zur Ruhe zu kommen.
FG
Felix

Nach seinem Burnout 2018 und monatelangen Schlafproblemen widmete sich Felix intensiv der Schlafforschung. Seit 2021 schreibt er auf SchlafenTipps.de.

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