Es war mal wieder einer dieser Momente: 2:47 Uhr, ich liege wach, starre an die Decke und google verzweifelt nach Antworten. Irgendwie bin ich bei YouTube gelandet und auf das Video „Biphasischer Schlaf – So haben unsere Vorfahren geschlafen" von Geschichte & Wissenschaft gestoßen. Was mich sofort gepackt hat: Der Gedanke, dass mein nächtliches Aufwachen vielleicht gar keine Störung ist, sondern ein uraltes Muster. Das hat mich ehrlich gesagt erst skeptisch gemacht – und dann ziemlich neugierig. Ich habe das Video direkt zu Ende geschaut, obwohl es mitten in der Nacht war.

Was steckt eigentlich hinter dem biphasischen Schlaf?

Das Video erklärt sehr anschaulich, dass Menschen jahrhundertelang nicht in einem einzigen langen Schlafblock geschlafen haben – so wie wir es heute für selbstverständlich halten. Stattdessen war es völlig normal, die Nacht in zwei Hälften aufzuteilen, mit einer bewussten Wachphase dazwischen. Das war kein Zeichen von Schlafproblemen, sondern schlicht die natürliche Schlafarchitektur des Menschen vor der Industrialisierung.

  • Der erste Schlaf dauerte etwa vier Stunden nach Einbruch der Dunkelheit und war tief und erholsam.
  • Danach folgte eine Wachphase von ein bis zwei Stunden, in der Menschen beteten, lasen, miteinander redeten oder einfach dösten.
  • Der zweite Schlaf schloss sich daran an und dauerte ebenfalls mehrere Stunden bis zum Morgen.

Die historischen Belege sind erstaunlich konkret

Was mich wirklich überrascht hat: Das Video zitiert historische Quellen, in denen ganz selbstverständlich vom „ersten Schlaf" und „zweiten Schlaf" die Rede ist – in mittelalterlichen Texten, in Tagebüchern, sogar in medizinischen Schriften. Der Historiker Roger Ekirch hat dazu jahrelang geforscht und hunderte solcher Belege gesammelt. Diese Wachphase mitten in der Nacht war also nicht das Problem – sie war der Plan. Das hat mir echt den Kopf verdreht, weil ich genau dieses Muster kenne und mich immer dafür verurteilt habe.

Wie sieht das in der Praxis aus – die Methode

Das Schöne an diesem Konzept ist, dass es keine komplizierte Technik ist. Es geht darum, das Aufwachen in der Nacht nicht mehr zu bekämpfen, sondern bewusst damit umzugehen. Wer merkt, dass er nach etwa vier Stunden Schlaf von selbst wach wird, kann diese Phase aktiv nutzen statt sich sinnlos im Bett zu wälzen.

So könnte ein biphasischer Schlafrhythmus konkret aussehen

Ich habe versucht, das direkt in der Nacht nach dem Video umzusetzen – mit gemischten, aber interessanten Ergebnissen. Der Trick liegt darin, die Wachphase ruhig und reizarm zu gestalten, also kein grelles Licht, kein Smartphone-Scrollen, keine aufwühlenden Gedanken. Kerzen, ein Buch, ruhige Atemübungen – das scheint zu helfen.

  • Ersten Schlaf akzeptieren: Gegen 22–23 Uhr ins Bett, den natürlichen Schlaf kommen lassen, nicht um Durchschlaf kämpfen.
  • Wachphase gestalten: Wenn man nach 3–4 Stunden aufwacht, kurz aufstehen, schwaches Licht, ruhige Tätigkeit – kein Handy!
  • Zweiten Schlaf einleiten: Nach 60–90 Minuten zurück ins Bett, die Entspannung kommt oft schnell und der Schlaf ist oft besonders tief.

Warum unser Körper das offenbar wirklich kennt

Das Video greift auch wissenschaftliche Erkenntnisse auf, die das Konzept stützen. Studien, unter anderem von dem Psychiater Thomas Wehr, zeigen, dass Menschen, die ohne künstliches Licht leben, von selbst in dieses biphasische Muster verfallen. Wehr ließ Probanden mehrere Wochen ohne elektrisches Licht – und fast alle entwickelten eigenständig den Zwei-Phasen-Schlaf mit einer meditativen Wachphase. Das ist kein Zufall, das ist Biologie.

MethodeWirkungErgebnis
SchlafmittelErzwingt Durchschlafen künstlichOft benommen, abhängig, keine echte Erholung
Schlafhygiene klassischOptimiert EinschlafbedingungenGut, aber hilft nicht beim nächtlichen Aufwachen
Biphasischer SchlafAkzeptiert natürliches SchlafmusterWeniger Stress, tieferer zweiter Schlaf, kein Schuldbewusstsein
„Das nächtliche Aufwachen ist kein Fehler des Körpers – es ist ein Überrest eines jahrtausendealten Schlafmusters, das wir durch künstliches Licht verlernt haben."

Was bleibt

Ich probiere das jetzt ernsthaft aus. Nicht als strenge Methode, sondern als neue Haltung gegenüber meinen Nächten. Wenn ich aufwache, versuche ich nicht mehr krampfhaft einzuschlafen, sondern die Pause anzunehmen. Das allein nimmt schon einen riesigen Druck raus.

  1. Nächtliches Aufwachen ist historisch normal – ich muss es nicht als Versagen behandeln.
  2. Künstliches Licht und der Druck zum Durchschlafen sind moderne Erfindungen, die unserem Rhythmus widersprechen.
  3. Die Wachphase ruhig und reizarm zu gestalten ist entscheidend – kein Handy, kein grelles Licht.
  4. Der zweite Schlaf kann besonders erholsam sein, wenn man ihn nicht erzwingt, sondern kommen lässt.
FG
Felix

Nach seinem Burnout 2018 und monatelangen Schlafproblemen widmete sich Felix intensiv der Schlafforschung. Seit 2021 schreibt er auf SchlafenTipps.de.

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