Es war einer dieser klassischen Momente: 2:30 Uhr morgens, ich lag wieder wach, starrte die Decke an und scrollte irgendwie durch YouTube. Dann tauchte dieses Video auf – „Wie die Ernährung den Schlaf beeinflusst" mit Schlafmediziner Ingo Fietze. Ich dachte zunächst, das kenne ich doch alles schon. Kein Koffein, kein schweres Essen, blablabla. Aber dann sagte Fietze etwas, das mich wirklich stutzig machte: Nicht nur was wir essen, sondern wann und in welcher Kombination – und dass schlechter Schlaf uns buchstäblich zu schlechteren Essern macht. Das war neu für mich.

Der Teufelskreis zwischen Teller und Kissen

Fietze erklärt im Video sehr anschaulich, dass Ernährung und Schlaf keine getrennten Themen sind – sie bedingen sich gegenseitig in einer Art Rückkopplungsschleife. Wer schlecht schläft, greift tagsüber häufiger zu Zucker und fetthaltigen Speisen. Wer abends falsch isst, schläft wiederum schlechter. Ich kannte das Gefühl, aber dass dahinter ein klar beschreibbarer biologischer Mechanismus steckt, hat mich überrascht.

  • Schlafmangel erhöht das Hungerhormon Ghrelin und senkt gleichzeitig Leptin – das Sättigungshormon. Man isst also mehr und fühlt sich trotzdem weniger satt.
  • Schwere, fettreiche Mahlzeiten am Abend verlängern die Verdauungszeit und halten den Körper in einem Aktivierungszustand, der das Einschlafen erschwert.
  • Zucker am Abend kann zu Blutzuckerschwankungen in der Nacht führen – diese wecken uns auf, oft ohne dass wir den Grund kennen.

Der Hormon-Mechanismus im Detail

Was mich an Fietzes Erklärung besonders beeindruckt hat: Er beschreibt, wie Schlafmangel den präfrontalen Kortex – also den Teil unseres Gehirns, der für rationale Entscheidungen zuständig ist – quasi außer Gefecht setzt. Gleichzeitig werden emotionale Gehirnbereiche aktiver, die uns zu hochkalorischen Lebensmitteln drängen. Das erklärt, warum ich nach einer schlechten Nacht mittags am liebsten die ganze Chipstüte leere. Es ist kein Willensproblem – es ist Neurobiologie. Fietze betont, dass dieser Effekt bereits nach einer einzigen schlechten Nacht messbar ist, nicht erst nach wochenlangem Schlafentzug.

Die konkreten Ernährungsempfehlungen aus dem Video

Neben der Erklärung der Mechanismen gibt Fietze im Gespräch auch ganz konkrete Hinweise, was man abends besser essen – und vor allem lassen – sollte. Kein erhobener Zeigefinger, sondern praktische, umsetzbare Empfehlungen. Genau das mag ich an diesem Podcast-Format.

Was ich ab sofort anders machen will

Ich habe mir während des Videos wirklich Notizen gemacht – etwas, das ich selten tue. Hier die Punkte, die mich am meisten angesprochen haben und die ich direkt in meinen Alltag integrieren will:

  • Die letzte größere Mahlzeit mindestens drei Stunden vor dem Schlafengehen einnehmen – nicht erst um 21 Uhr, wenn ich um 23 Uhr ins Bett will.
  • Abends lieber tryptophanreiche Lebensmittel wie Haferflocken, Bananen oder Nüsse wählen – Tryptophan ist eine Vorstufe von Serotonin und Melatonin, also direkt schlafrelevant.
  • Alkohol konsequent meiden: Fietze macht klare Ansage dazu – Alkohol hilft zwar beim Einschlafen, zerstört aber die wichtige Tiefschlaf- und REM-Phase. Man wacht erholt auf und ist es trotzdem nicht.

Warum das wissenschaftlich Sinn ergibt

Fietze ist Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums der Charité Berlin – er redet hier also nicht ins Blaue. Er verweist auf Studien, die zeigen, dass Menschen mit regelmäßigem, gutem Schlaf einen niedrigeren BMI haben und gesündere Essgewohnheiten pflegen. Der Zusammenhang ist bidirektional und lässt sich in Laborstudien reproduzieren. Besonders interessant: Schon 90 Minuten weniger Schlaf pro Nacht können die Kalorienzufuhr am nächsten Tag um 200–500 Kilokalorien erhöhen – unbewusst und ohne dass man es kontrollieren kann.

MethodeWirkungErgebnis
Melatonin-TablettenGreift von außen in den Hormonhaushalt einKurzfristige Hilfe, keine Ursachenbehebung
Abendliches Fasten (3h vor Bett)Entlastet Verdauung, senkt KörperkerntemperaturTieferer, ungestörterer Schlaf
Tryptophanreiche Kost am AbendFördert Melatonin-Produktion auf natürlichem WegBesseres Einschlafen, stabilere Schlafphasen
„Schlaf ist keine Erholungsphase, die wir uns leisten können oder nicht – er ist eine biologische Notwendigkeit, die jeden anderen Gesundheitsbereich direkt beeinflusst. Wer gut schläft, isst besser. Wer besser isst, schläft gut." – Ingo Fietze sinngemäß im Video

Was bleibt

Ich gehe ehrlich gesagt mit einem etwas anderen Blick auf meine Abendroutine aus diesem Video heraus. Nicht revolutionär, aber konkret genug, um morgen Abend anders zu handeln. Das ist für mich der Maßstab für guten Schlaf-Content.

  1. Schlechter Schlaf macht mich zu einem schlechteren Esser – das ist kein Charakterfehler, sondern Hormonbiologie.
  2. Die letzte Mahlzeit wandert bei mir ab sofort auf spätestens 19:30 Uhr, wenn ich gegen 23 Uhr schlafen möchte.
  3. Abends eine Handvoll Walnüsse oder eine Banane statt Chips – klingt banal, macht aber biochemisch tatsächlich einen Unterschied.
  4. Alkohol als Einschlafhilfe ist eine Lüge, die ich mir selbst nicht länger erzähle.
FG
Felix

Nach seinem Burnout 2018 und monatelangen Schlafproblemen widmete sich Felix intensiv der Schlafforschung. Seit 2021 schreibt er auf SchlafenTipps.de.

Mehr über den Autor →
Artikel: Einschlafen