Es war mal wieder halb drei morgens. Ich lag wach, die Decke zu warm, die Gedanken zu laut – und natürlich landete ich wie so oft bei YouTube. Eigentlich kenne ich Liebscher & Bracht vor allem wegen ihrer Schmerzübungen für den Rücken, aber dann tauchte dieses Video auf: „Gesund & besser schlafen? Darauf kommt es an!" Ich dachte ehrlich gesagt: Was wollen Schmerzspezialisten mir über Schlaf erzählen? Ziemlich viel, wie sich herausstellte. Schon nach den ersten Minuten merkte ich, dass ich einige grundlegende Dinge komplett falsch verstanden hatte – und das seit Jahren.

Der Körper schläft nicht einfach – er bereitet sich vor

Was mich von Anfang an gepackt hat: Liebscher & Bracht erklären Schlaf nicht als passiven Zustand, sondern als aktiven biologischen Prozess, der bereits Stunden vorher eingeleitet werden muss. Der Körper braucht Signale – und wir geben ihm oft die falschen. Das klingt simpel, aber die Konsequenzen daraus haben mich wirklich nachdenklich gemacht.

  • Schlaf ist kein Schalter, den man einfach umlegt – der Körper fährt schon am Nachmittag damit an, sich vorzubereiten
  • Muskelverspannungen, falsche Schlafpositionen und Bewegungsmangel tagsüber wirken sich direkt auf die Schlafqualität aus
  • Das Nervensystem muss aktiv aus dem Sympathikus-Modus (Stress, Aktivität) in den Parasympathikus-Modus (Erholung, Ruhe) wechseln können

Der Sympathikus-Parasympathikus-Konflikt – mein tägliches Problem

Dieser Punkt hat mich regelrecht getroffen. Ich arbeite bis abends am Laptop, esse spät, bewege mich kaum – und wundere mich dann, dass mein Körper nicht „einfach schläft". Was Liebscher & Bracht erklären, macht dabei vollkommen Sinn: Wenn das sympathische Nervensystem – zuständig für Anspannung, Flucht, Leistung – abends nicht herunterfahren kann, bleibt der Körper physiologisch im Wachzustand. Das erklärt das Herzklopfen, das Gedankenkarussell, das Gefühl, müde aber gleichzeitig hellwach zu sein. Genau das kenne ich. Jeden. Verdammten. Abend.

Die Methode: Dehnübungen gezielt vor dem Schlafengehen

Hier wird es konkret – und das ist genau das, was ich an diesem Video so wertvoll finde. Liebscher & Bracht zeigen, dass gezielte Dehnübungen kurz vor dem Schlafen nicht nur Verspannungen lösen, sondern aktiv das parasympathische Nervensystem stimulieren. Es geht nicht um Sport, nicht um Yoga im großen Stil – sondern um sanfte, gezielte Bewegungen, die dem Körper signalisieren: Jetzt darf er loslassen.

So funktioniert es in der Praxis – mein Abendablauf seitdem

Ich habe direkt in derselben Nacht angefangen. Auf dem Boden, im Pyjama, halb verschlafen – aber ich habe es gemacht. Die Übungen aus dem Video konzentrieren sich vor allem auf Hüfte, Rücken und die hintere Oberschenkelmuskulatur, weil diese Bereiche bei den meisten Menschen chronisch verkürzt sind und dabei das Nervensystem dauerhaft unter Spannung halten.

  • Hüftbeuger-Dehnung im Ausfallschritt: mindestens 2 Minuten pro Seite, ruhig und ohne Druck
  • Liegende Rückenstreckung (Kindshaltung oder Knie zur Brust): bewusst langsam atmen, in die Dehnung hineinsinkен lassen
  • Oberschenkelrückseite dehnen: flach auf dem Rücken, Bein gestreckt hochziehen – gerade die Stellen, die beim Sitzen das meiste abbekommen

Warum das wirklich funktioniert – und nicht nur Einbildung ist

Ich war zunächst skeptisch, ob ein paar Dehnübungen wirklich etwas ändern können. Aber die Erklärung dahinter ist physiologisch absolut nachvollziehbar. Durch Dehnung werden Mechanorezeptoren in Muskeln und Faszien aktiviert, die über das Rückenmark beruhigende Signale ans Gehirn senden. Gleichzeitig sinkt der Cortisolspiegel – das Stresshormon, das uns wachhält – wenn wir uns langsam und bewusst bewegen. Studien zeigen, dass bereits 10–15 Minuten sanfter Bewegung vor dem Schlafen die Einschlafzeit signifikant verkürzen können.

MethodeWirkungErgebnis
Schlaftabletten / MelatoninGreift chemisch in den Schlafzyklus einKurzfristig wirksam, Abhängigkeitsrisiko
Atemübungen (4-7-8)Aktiviert Parasympathikus über VagusnervGut, aber ohne Körperarbeit oft nicht ausreichend
Dehnübungen nach Liebscher & BrachtLöst Gewebespannung, senkt Cortisol, stimuliert Ruhe-NervensystemNachhaltig, ohne Hilfsmittel, sofort anwendbar
„Der Körper kann nur dann wirklich schlafen, wenn er vorher die Erlaubnis bekommt, loszulassen – und diese Erlaubnis müssen wir ihm aktiv geben, nicht nur erwarten."

Was bleibt

Nach zwei Wochen mit diesen Abendübungen kann ich sagen: Ich schlafe nicht perfekt, aber ich schlafe besser. Das Einschlafen dauert gefühlt halb so lang wie vorher, und dieses unangenehme Wachliegen mit rasenden Gedanken hat sich deutlich reduziert. Was mich am meisten überzeugt hat, ist die Logik dahinter – es ist kein Trick, kein Hack, sondern echte Körperarbeit.

  1. Schlafprobleme beginnen nicht im Bett – sondern durch das, was wir tagsüber mit unserem Körper machen (oder eben nicht machen)
  2. Verspannte Muskeln halten das Nervensystem aktiv – Dehnen ist deshalb keine Entspannungsromantik, sondern Physiologie
  3. Schon 10–15 Minuten Abendritual reichen aus, um den Unterschied zu spüren – Konsequenz schlägt Intensität
  4. Ich werde Liebscher & Bracht weiter verfolgen – was ich bisher als „Rücken-Kanal" abgetan hatte, hat mehr mit meinem Schlaf zu tun als ich dachte
FG
Felix

Nach seinem Burnout 2018 und monatelangen Schlafproblemen widmete sich Felix intensiv der Schlafforschung. Seit 2021 schreibt er auf SchlafenTipps.de.

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