Es war mal wieder einer dieser Abende, an denen ich um halb drei Uhr morgens an die Decke gestarrt habe, das Handy gezückt und wahllos nach irgendwas gesucht habe, das mir endlich beim Einschlafen helfen könnte. Dann bin ich auf dieses Video von ARD Gesund gestoßen, in dem Dr. Julia Fischer über Melatonin und Ashwagandha spricht – zwei Mittel, die ich selbst schon ausprobiert hatte, ohne wirklich zu verstehen, was ich da eigentlich schlucke. Was sie erklärt hat, hat mich an einigen Stellen wirklich überrascht, teilweise sogar ein bisschen erschreckt.

Wie Melatonin im Körper überhaupt wirkt

Viele denken, Melatonin ist sowas wie ein Schlafmittel – einnehmen, einschlafen, fertig. Dr. Fischer räumt in dem Video sehr klar damit auf. Melatonin ist kein Schlafhormon im klassischen Sinne, sondern eher ein Zeitgeber. Es signalisiert dem Körper: Jetzt wird es dunkel, bereite dich auf Schlaf vor. Das ist ein riesiger Unterschied, den ich selbst lange nicht verstanden hatte.

  • Melatonin wird in der Zirbeldrüse produziert und normalerweise bei Dunkelheit ausgeschüttet
  • Es verschiebt die innere Uhr – hilft also bei Jetlag oder Schichtarbeit, nicht unbedingt bei klassischer Einschlafstörung
  • Die in Deutschland frei verkäuflichen Präparate enthalten oft viel zu hohe Dosen (1–5 mg), obwohl der Körper selbst nur etwa 0,1–0,3 mg produziert

Das Problem mit der Dosierung

Genau dieser Punkt hat mich am meisten beschäftigt. Ich hatte monatelang täglich 1 mg Melatonin genommen und gedacht, das sei harmlos, weil es ja „natürlich" ist. Dr. Fischer erklärt aber, dass dauerhaft zu hohe Melatonin-Dosen die körpereigene Produktion drosseln können – der Körper produziert dann selbst weniger, weil er das Signal bekommt, dass von außen schon genug geliefert wird. Das klingt für mich wie ein klassischer Teufelskreis: Man nimmt es, weil man schlecht schläft, und schläft langfristig eventuell noch schlechter, weil der Körper sich drauf verlässt. Ich habe danach sofort meine Dosis halbiert und nehme es nur noch an bestimmten Tagen.

Ashwagandha – das Adaptogen, das ich unterschätzt hatte

Zum Thema Ashwagandha war ich ehrlich gesagt skeptisch. Ich hatte das Zeug mal kurz ausprobiert, dann aber wieder aufgehört, weil ich keinen direkten Effekt gespürt hatte. Dr. Fischer erklärt, warum das so sein könnte – und was Ashwagandha tatsächlich leisten kann, wenn man es richtig einsetzt.

Wie und wann Ashwagandha sinnvoll ist

Ashwagandha ist kein schnelles Einschlafmittel, das man abends nimmt und dann sofort in den Schlaf gleitet. Es wirkt adaptogen – das bedeutet, es hilft dem Körper über Wochen hinweg, besser mit Stress umzugehen, den Cortisolspiegel zu regulieren und so indirekt die Schlafqualität zu verbessern. Der entscheidende Punkt: Es braucht Zeit, mindestens vier bis acht Wochen regelmäßiger Einnahme, bevor man wirklich etwas merkt.

  • Wirkt über die Stressachse (HPA-Achse) und senkt erhöhte Cortisolspiegel
  • Besonders hilfreich bei stressbedingten Schlafproblemen, nicht bei rein zirkadianen Störungen
  • Studien zeigen Verbesserungen bei Einschlafzeit und Schlafqualität nach mehrwöchiger Einnahme

Warum das wissenschaftlich Sinn ergibt

Das Interessante an Dr. Fischers Erklärungen ist, dass sie nicht einfach sagt „nimm das, das hilft" – sie erklärt die Mechanismen dahinter. Cortisol und Melatonin stehen in einem direkten Gegenspiel: Wenn der Cortisolspiegel abends noch hoch ist (weil man gestresst war, zu lange ins Handy geschaut hat oder einfach runtergekommen ist), blockiert das die natürliche Melatoninausschüttung. Ashwagandha greift genau hier an, Melatonin von außen kompensiert das Signal – aber eben ohne die Ursache zu beseitigen.

MethodeWirkungErgebnis
Melatonin (niedrig dosiert)Verschiebt innere Uhr, gibt Dunkel-SignalSinnvoll bei Jetlag, Schichtarbeit – kurzfristig
Melatonin (hoch dosiert, dauerhaft)Unterdrückt körpereigene ProduktionKann Schlafprobleme langfristig verschlimmern
Ashwagandha (regelmäßig über Wochen)Senkt Cortisol, reguliert StressachseVerbesserte Schlafqualität bei stressbedingten Problemen
„Melatonin ist kein Schlafmittel – es ist ein Zeitgeber. Wer es als Einschlafhilfe nutzt, behandelt oft das falsche Problem." – Dr. Julia Fischer, ARD Gesund

Was bleibt

Nach diesem Video habe ich mein kleines Supplement-Regal neu bewertet. Ich nehme Melatonin jetzt nicht mehr täglich, sondern nur noch bei konkreten Anlässen wie Reisen oder unregelmäßigen Schlafzeiten. Ashwagandha habe ich wieder angefangen – diesmal aber mit realistischen Erwartungen und einem echten Vier-Wochen-Test. Was mich wirklich motiviert hat: endlich zu verstehen, warum etwas wirkt oder eben nicht.

  1. Melatonin ist kein harmloses Alltagsmittel – Dosierung und Anwendungsgrund entscheiden alles
  2. Ashwagandha braucht Geduld, wirkt aber bei stressbedingten Schlafproblemen wirklich evidenzbasiert
  3. Cortisol ist oft der eigentliche Schlafräuber – wer abends nicht abschaltet, hat ein Cortisolproblem, kein Melatoninproblem
  4. Supplemente ersetzen keine Schlafhygiene – Dr. Fischer betont das deutlich, und ich musste mir das ehrlich eingestehen
FG
Felix

Nach seinem Burnout 2018 und monatelangen Schlafproblemen widmete sich Felix intensiv der Schlafforschung. Seit 2021 schreibt er auf SchlafenTipps.de.

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