Es war mal wieder einer dieser klassischen Dienstagnächte. 3:17 Uhr, ich starre an die Decke, mein Kopf rattert, und das Einschlafen fühlt sich an wie ein Job, für den ich einfach nicht qualifiziert bin. Irgendwann hab ich dann doch zum Handy gegriffen – ich weiß, ich weiß – und bin über das Video von Dr. med. Ulrich Selz gestolpert: „MELATONIN richtig nehmen". Ich hatte Melatonin schon ein paarmal ausprobiert, aber irgendwie nie den großen Effekt gespürt. Warum das so war, hat mir erst dieses Video erklärt. Und ich hätte es ehrlich gesagt früher wissen wollen.

Was Dr. Selz erklärt: Wie Melatonin im Körper wirklich funktioniert

Melatonin wird oft als „Schlafhormon" verkauft, aber Dr. Selz macht gleich am Anfang klar: Es macht dich nicht schläfrig wie ein Schlafmittel. Es ist eher ein biologisches Zeitsignal – es sagt deinem Körper, dass jetzt Nacht ist. Das klingt erstmal simpel, hat aber riesige Konsequenzen dafür, wie und wann man es einnehmen sollte. Ich hatte das Mittel bisher immer kurz vor dem Einschlafen genommen – also genau dann, wenn es laut Dr. Selz schon zu spät ist.

  • Melatonin ist kein Sedativum, sondern ein Zeitgeber für die innere Uhr
  • Die körpereigene Produktion beginnt bei Dunkelheit – meist 1–2 Stunden vor dem natürlichen Schlafzeitpunkt
  • Licht – besonders Blaulicht vom Handy – unterdrückt die Melatoninausschüttung massiv

Das Problem mit dem falschen Timing

Dr. Selz erklärt ausführlich, dass die meisten Menschen Melatonin zu spät und in zu hoher Dosis nehmen. Viele Präparate auf dem Markt enthalten 5 mg oder sogar 10 mg – dabei zeigen Studien, dass schon 0,5 mg ausreichen, um den gewünschten chronobiologischen Effekt zu erzielen. Höhere Dosen fluten das System regelrecht, was paradoxerweise dazu führen kann, dass man sich am nächsten Morgen benebelt und müde fühlt. Dieses Phänomen kannte ich nur zu gut: Ich hab mich nach Melatonin-Abenden oft wie gerädert gefühlt und dachte, das Mittel wirkt einfach nicht bei mir. Dabei war ich schlicht überdosiert.

Die konkrete Methode: So nimmt man Melatonin laut Dr. Selz richtig

Das Herzstück des Videos ist eine klare, umsetzbare Empfehlung. Kein Blabla, keine Werbung für irgendein Produkt – Dr. Selz bleibt dabei sehr sachlich und medizinisch fundiert. Im Kern geht es darum, Melatonin als Werkzeug zur Schlafphasenverschiebung zu nutzen, nicht als Einschlafhilfe im klassischen Sinne.

Schritt für Schritt: Die richtige Anwendung

Ich hab mir die Empfehlungen direkt nach dem Video notiert und sie seitdem konsequent ausprobiert. Der Unterschied zu meinen früheren Versuchen ist spürbar – ich wache seitener mitten in der Nacht auf und komme morgens etwas weniger zermürbt aus dem Bett.

  • Timing: Melatonin 30 bis 60 Minuten vor dem gewünschten Schlafzeitpunkt nehmen – nicht kurz vor dem Einschlafen
  • Dosis: 0,5 mg bis maximal 1 mg reichen völlig aus; höhere Dosen bringen keinen Mehrwert, aber mehr Nebenwirkungen
  • Lichtumgebung: Parallel dazu Bildschirme ausschalten oder zumindest auf Nachtmodus stellen, damit das körpereigene Melatonin nicht geblockt wird

Warum das funktioniert: Die Chronobiologie dahinter

Was mich an Dr. Selz' Erklärung am meisten überzeugt hat, ist der chronobiologische Rahmen. Unser Schlaf-Wach-Rhythmus wird durch einen inneren Taktgeber gesteuert – den suprachiasmatischen Nucleus im Hypothalamus. Dieser reagiert auf Licht und Dunkelheit und reguliert unter anderem die Melatoninausschüttung aus der Zirbeldrüse. Wenn man Melatonin als externes Signal zum richtigen Zeitpunkt gibt, kann man diesen Taktgeber tatsächlich verschieben. Studien zeigen, dass bereits 0,3 mg exogenes Melatonin, korrekt getimed, die innere Uhr um bis zu einer Stunde vorverlegen können – das ist enorm für Menschen wie mich, die eigentlich eher Eulen als Lerchen sind.

MethodeWirkungErgebnis
Schlafmittel (z. B. Benzodiazepine)Dämpft das Zentralnervensystem direktSchnelles Einschlafen, aber kaum Tiefschlaf
Schlafhygiene alleinVerbessert Rahmenbedingungen schrittweiseLangfristig wirksam, aber langsam
Melatonin (richtig dosiert & getimed)Gibt der inneren Uhr ein biologisches SignalVerschiebt Einschlafzeit, verbessert Rhythmus
„Melatonin ist kein Schlafmittel – es ist ein Zeitgeber. Wer das versteht, nimmt es auch richtig." — Dr. med. Ulrich Selz

Was bleibt

Ich nehme Melatonin jetzt seit knapp zwei Wochen nach der Methode von Dr. Selz – niedrig dosiert, rechtzeitig, kombiniert mit echter Dunkelheit im Zimmer. Es ist kein Wundermittel, und ich schlafe immer noch nicht wie ein Baby. Aber die nächtlichen Wachphasen sind kürzer geworden, und ich brauche morgens gefühlt weniger Anlaufzeit. Das reicht mir erstmal als Indiz, dass ich es vorher einfach falsch gemacht habe.

  1. Melatonin ist ein Zeitgeber, kein klassisches Schlafmittel – diese Unterscheidung ändert alles
  2. Weniger ist mehr: 0,5 mg wirken besser als 5 mg, weil man das System nicht überflutet
  3. Das Timing ist entscheidend – 30 bis 60 Minuten vor dem Zubettgehen, nicht kurz davor
  4. Melatonin allein reicht nicht – Lichtreduktion am Abend ist genauso wichtig wie das Supplement selbst
FG
Felix

Nach seinem Burnout 2018 und monatelangen Schlafproblemen widmete sich Felix intensiv der Schlafforschung. Seit 2021 schreibt er auf SchlafenTipps.de.

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